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GNSS Interference vom Weltraum - Teil 2
GNSS-Störungen kommen nicht nur vom Boden: Was aktuelle Beobachtungen für resiliente Navigation bedeuten
Wenn von GNSS-Jamming die Rede ist, entsteht meist ein vertrautes Bild: Ein Störsender befindet sich am Boden oder in einem Fahrzeug und überlagert die schwachen Signale von GPS, Galileo und anderen Satellitennavigationssystemen.
Eine aktuelle Beobachtung unseres Partners GPSPATRON zeigt, warum dieses Bild zu eng gefasst ist. Im September 2026 registrierte ein Netzwerk unabhängiger GNSS-Messstationen in Europa nahezu gleichzeitig eine ungewöhnliche Interferenz im Bereich der GPS- und Galileo-Frequenzen. Die Analyse deutet darauf hin, dass die störende Aussendung aus dem Weltraum kam.
Das ist zunächst ungewöhnlich. Für die Frage, wie ein GNSS-Empfänger mit einer Störung umgehen kann, ist ihre geografische Herkunft jedoch nur ein Teil des Problems.
Was wurde beobachtet?
Am 3. September 2026 gegen 09:10 UTC registrierte das europäische Monitoring-Netzwerk von GPSPATRON an räumlich weit voneinander entfernten Standorten nahezu gleichzeitig eine kurzzeitige Verschlechterung des GNSS-Empfangs.
Betroffen waren sowohl GPS als auch Galileo. An den Messstationen sank das Carrier-to-Noise-Verhältnis (C/N₀) je nach Standort und Empfänger um etwa 2 bis 5 dB-Hz.
Die Beobachtung erfolgte über unterschiedliche Messsysteme hinweg, darunter RTK-Stationen, Septentrio-Empfänger und spezielle GNSS-Interferenzsensoren. Zusätzlich wurden Rohdaten des Hochfrequenzsignals aufgezeichnet.
GPSPATRON identifizierte eine Aussendung mit einer Mittenfrequenz von ungefähr 1577,5 MHz und einer Bandbreite von rund 2,46 MHz. Aufgrund der großräumigen und nahezu zeitgleichen Beobachtung sowie weiterer Signaleigenschaften kommt die Analyse zu dem Schluss, dass die Aussendung weltraumbasiert war.
Wichtig ist allerdings die Unterscheidung zwischen Interferenz und absichtlichem Jamming.
Dass eine Aussendung GNSS beeinträchtigt, bedeutet nicht automatisch, dass sie zu diesem Zweck erzeugt wurde. GPSPATRON weist ausdrücklich darauf hin, dass die Ursache beziehungsweise Funktion des beobachteten Signals bislang nicht abschließend geklärt ist. Möglich sind beispielsweise andere Satellitenfunktionen, Testsignale oder unbeabsichtigte Emissionen.
Warum die Richtung einer Störung nicht die ganze Geschichte erzählt
GNSS-Signale erreichen die Erdoberfläche mit sehr geringer Leistung. Deshalb können zusätzliche Hochfrequenzsignale in oder nahe den verwendeten Frequenzbändern den Empfang beeinträchtigen.
Aus Sicht eines GNSS-Empfängers ist dabei zunächst entscheidend, welches Signal an seiner Antenne ankommt.
Wichtige Parameter sind unter anderem:
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Frequenz und Bandbreite der Interferenz
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Signalstärke im Verhältnis zum GNSS-Signal
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zeitliches Verhalten
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Modulation und Signalstruktur
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betroffene GNSS-Bänder
Ob die verursachende Quelle am Boden, auf einer fliegenden Plattform oder im Weltraum liegt, ändert diese grundlegende Situation nicht.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Richtung bedeutungslos wäre.
Bei räumlichen Anti-Jam-Verfahren – beispielsweise Controlled Reception Pattern Antennas (CRPA), Beamforming oder Null-Steering – spielt die Einfallsrichtung eine zentrale Rolle. Solche Systeme versuchen, Signale aus bestimmten Richtungen gezielt abzuschwächen.
Receiverseitige Verfahren verfolgen dagegen einen anderen Ansatz. Sie analysieren und bearbeiten das empfangene Signal selbst und können bestimmte Interferenzformen beispielsweise im Frequenz- oder Zeitbereich erkennen und unterdrücken.
Beide Ansätze ergänzen sich, lösen aber unterschiedliche Teile des Problems.
Was Jammertest 2026 dazu zeigt
Nahezu zeitgleich mit der Beobachtung von GPSPATRON wurden beim Jammertest 2026 auf Andøya in Norwegen GNSS-Empfänger und PNT-Systeme unter kontrollierten realen Jamming- und Spoofing-Szenarien getestet.
Septentrio veröffentlichte anschließend erste Ergebnisse seiner AIM+-Interferenzmitigation. Unter anderem wurde das Verhalten bei starken Chirp-Störsignalen untersucht. Die veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass moderne Signalverarbeitung die Auswirkungen bestimmter Störsignale erheblich reduzieren und damit die Verfügbarkeit der GNSS-Lösung verbessern kann.
Auch Spoofing – also die gezielte Übertragung manipulierter GNSS-ähnlicher Signale – war Bestandteil der Versuche.
Die Ergebnisse sind für die Entwicklung resilienter Navigation interessant, sollten aber nicht überinterpretiert werden: Ein erfolgreicher Test gegen einen bestimmten Jammer beweist keine allgemeine Immunität gegenüber beliebigen Störungen.
Insbesondere wurde beim Jammertest nicht das von GPSPATRON beobachtete weltraumbasierte Signal reproduziert.
Die Verbindung zwischen beiden Ereignissen ist daher technischer Natur, nicht experimenteller: Sie zeigen unterschiedliche Seiten desselben Problems.
Detection und Mitigation sind zwei verschiedene Aufgaben
Die beiden aktuellen Entwicklungen verdeutlichen außerdem eine wichtige Unterscheidung.
Interferenzerkennung beantwortet Fragen wie:
Ist das GNSS-Spektrum gestört? Welche Frequenzen sind betroffen? Wie stark ist die Störung? Handelt es sich möglicherweise um Jamming oder Spoofing? Wann und wo tritt sie auf?
Interferenzmitigation versucht dagegen, die Auswirkungen einer vorhandenen Störung auf die Navigation zu reduzieren.
Ein System kann eine Störung sehr gut erkennen und trotzdem seine GNSS-Position verlieren. Umgekehrt kann ein Receiver bestimmte Interferenzen erfolgreich unterdrücken, ohne dass der Betreiber ein vollständiges Bild davon erhält, was im elektromagnetischen Umfeld passiert.
Für sicherheitskritische und autonome Systeme sind deshalb beide Fähigkeiten relevant.
Resilientes PNT ist mehr als ein robuster GNSS-Empfänger
Die aktuellen Beobachtungen zeigen vor allem, warum resiliente Positionierung, Navigation und Zeitbestimmung – kurz PNT – als Gesamtsystem betrachtet werden sollte.
Ein moderner GNSS-Empfänger mit Interferenzmitigation ist dabei eine wichtige Verteidigungslinie. Er kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass GNSS auch unter schwierigen RF-Bedingungen weiter nutzbar bleibt.
Er kann jedoch nicht garantieren, dass GNSS unter allen Umständen verfügbar oder vertrauenswürdig ist.
Deshalb kombinieren resiliente PNT-Architekturen mehrere Ebenen:
Detect → Mitigate → Assess Integrity → Continue Navigation
Eine Störung wird erkannt und charakterisiert. Der GNSS-Empfänger versucht, ihre Auswirkungen zu reduzieren. Gleichzeitig muss bewertet werden, ob die resultierende Position noch vertrauenswürdig ist. Falls GNSS nicht mehr ausreichend verfügbar oder integer ist, müssen weitere Sensoren oder Navigationsquellen die Navigation unterstützen oder zeitweise übernehmen.
Für autonome Fahrzeuge, UAVs und andere unbemannte Systeme ist dieser letzte Punkt besonders wichtig. Ein autonomes System muss nicht nur eine Position berechnen können. Es muss auch erkennen können, wann es dieser Position nicht mehr vertrauen sollte.
Von der Störquelle zur Systemresilienz
Die Beobachtung einer weltraumbasierten GNSS-Interferenz erweitert damit vor allem unseren Blick auf das Problem.
GNSS-Störungen müssen nicht dem klassischen Szenario eines bodengebundenen Jammers entsprechen. Sie können unterschiedliche Ursachen, Signalformen und Einfallsrichtungen besitzen – und sie müssen nicht einmal absichtlich gegen GNSS gerichtet sein, um dessen Verfügbarkeit zu beeinträchtigen.
Für die Entwicklung resilienter Navigationssysteme folgt daraus eine einfache, aber wichtige Konsequenz:
Es reicht nicht aus, sich auf eine bestimmte Art oder Herkunft der Störung vorzubereiten.
Robuste Systeme benötigen eine Kombination aus Überwachung des GNSS- und RF-Umfelds, receiverseitiger Interferenzmitigation, Integritätsbewertung und zusätzlichen Navigationsquellen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
Woher kommt die Störung?
Sondern auch:
Kann das System sie erkennen, ihre Auswirkungen begrenzen und weiterhin zuverlässig bestimmen, wo es sich befindet – und wie vertrauenswürdig diese Information noch ist?
Quellen und weiterführende Informationen
Contact:
https://www.hensec.com/en/component/content/article/regina-air-3?catid=22
https://www.hensec.com/en/products/gps/gps-spoofing-and-jamming-detection
https://gpspatron.com/satellite-gps-galileo-interference-europe/
https://www.jammertest.no/jammertest-2026/